Glossar-Begriff: Jährliche Parallaxe
Beschreibung: Im Laufe eines Jahres, während die Erde und alle astronomischen Beobachter auf ihr die Sonne umrunden, ändert sich die Perspektive der Beobachter. Verglichen mit dem Hintergrund der am weitesten entfernten astronomischen Objekte am Nachthimmel führt diese Änderung der Perspektive zu einer Veränderung der scheinbaren Position der näheren astronomischen Objekte am Nachthimmel. Dadurch scheinen sich diese Objekte im Laufe eines Jahres auf winzigen Ellipsen am Nachthimmel zu bewegen. Dieser Effekt wird als jährliche Parallaxe bezeichnet. Die Hauptachse dieser Ellipse der scheinbaren Bewegung entspricht - ausgedrückt als Winkel - dem Doppelten des sogenannten (jährlichen) Parallaxenwinkels des Objekts. Der Parallaxenwinkel entspricht einer Änderung der Position des Beobachters um eine Astronomische Einheit (AE), d. h. um die durchschnittliche Entfernung zwischen Erde und Sonne oder die Erdverschiebung zwischen zwei astronomischen Beobachtungen, die ein halbes Jahr auseinander liegen. Die Entfernungseinheit "Parsec", kurz für "Parallaxensekunde", ist so definiert, dass für einen Stern in einer Entfernung von einem Parsec von der Erde der jährliche Parallaxenwinkel genau eine Bogensekunde beträgt.
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Begriffs- und Definitionsstatus Die Originaldefinition dieses Begriffes auf Englisch wurden von einem forschenden Astronom und einer Lehrkraft bestätigt Die Übersetzung dieses Begriffs und seiner Definition warten auf Prüfung und Bestätigung
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Auf anderen Sprachen
- Arabisch: اختلاف المنظر السنوي
- Englisch: Annual Parallax
- Spanisch: Paralaje anual
- Französisch: Parallaxe annuelle
- Hindi: वार्षिक लंबन
- Italienisch: Parallasse annuale
- Japanisch: 年周視差 (externer Link)
- Koreanisch: 연주시차
- Brasilianisches Portugiesisch: Paralaxe Anual
- Vereinfachtes Chinesisch: 周年视差
- Traditionelles Chinesisch: 週年視差
Ähnliche Diagramme
Jährliche Parallaxe
Unterschrift: Die Entfernungsbestimmung war in der Astronomie schon immer eine Herausforderung. Eine der wichtigsten Methoden zur Entfernungsmessung ist die jährliche Parallaxe. Die Erde umkreist die Sonne im Laufe eines Jahres, was bedeutet, dass sie sich innerhalb von sechs Monaten von einer Seite der Sonne (hier als Position A dargestellt) zur anderen Seite (Position B) bewegt. In den verbleibenden sechs Monaten kehrt sie dann wieder in ihre ursprüngliche Position zurück. Diese Bewegung verändert geringfügig die Perspektive, aus der ein Beobachter auf der Erde den Nachthimmel sieht. Dies ist vergleichbar mit der Veränderung der Blickperspektive, die man erlebt, wenn man eine Szene erst mit dem linken und dann mit dem rechten Auge betrachtet. Durch die veränderte Blickperspektive verschieben sich nahegelegene Objekte in Ihrem Blickfeld. Der jährliche Umlauf der Erde um die Sonne verändert die Perspektive des Beobachters so stark, dass sich die beobachteten Positionen von Himmelsobjekten verschieben. Wie groß dieser Effekt ist, hängt von der Entfernung zum Himmelsobjekt ab. Bei nahen Sternen sind die Verschiebungen der beobachteten Position größer als bei weiter entfernten Sternen.
Die Positionsverschiebung wird als trigonometrische oder jährliche Parallaxe (die wir hier mit α bezeichnen) genannt und ist definiert als die Positionsverschiebung eines Sterns im Vergleich zu dem, was ein Beobachter im Zentrum des Sonnensystems (der Sonne) sehen würde. In dieser Abbildung sehen wir den Stern aus zwei Perspektiven, die sechs Monate auseinanderliegen (Positionen A und B). Bei Beobachtung von Position A aus beträgt die Positionsverschiebung des Sterns α, bei Beobachtung von Position B aus hingegen –α. Somit beträgt die relative Differenz der Sternposition zwischen der Beobachtung von den Positionen A und B gerade 2α.
Die Größe der trigonometrischen oder jährlichen Parallaxe in Bogensekunden beträgt ungefähr 1 geteilt durch die Entfernung in Parsec. Eine Bogensekunde (oft mit dem Symbol ″ dargestellt) entspricht dem Winkeldurchmesser, den ein Stab von einem Meter Länge hätte, wenn man ihn aus einer Entfernung von 206 km betrachtet. Ein Parsec (oft mit „pc“ abgekürzt) entspricht 3,26 Lichtjahren oder 30,86 Billionen Kilometern. Das sind 206.265 astronomische Einheiten (der mittleren Entfernung zwischen Erde und Sonne). Kein anderer Stern ist näher als 1 pc an der Sonne, daher weisen alle Sterne am Himmel trigonometrische Parallaxen von weniger als einer Bogensekunde auf.
Während trigonometrische Parallaxen seit langem zur Messung der Entfernungen zu Objekten innerhalb unseres Sonnensystem oder zu nahen Sternen verwendet werden, haben jüngste Fortschritte die Grenzen dieser Entfernungsmessungen weiter verschoben. Der Gaia-Satellit hat die Grenzen der Parallaxenmessungen auf über tausend Parsec erweitert. Auch Radioteleskop-Arrays können die Positionen sehr weit entfernter Objekte und damit deren trigonometrische Parallaxe sehr genau bestimmen.
Zu beachten ist, dass Erde und Sonne hier nicht maßstabsgetreu dargestellt sind und die Neigung der Erdachse nicht genau wiedergegeben wird.
Bild: Aneta Margraf/IAU OAE
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